Sarik Weber: Deutsche Startup-Szene ist auf dem Vormarsch

Im Rahmen unserer Vorbereitungen zur Seedlounge @ CeBIT Webciety 2012 traf Björn am vergangenen Montag auch Sarik Weber, Geschäftsführer von Hanse Ventures und damit Unterstützer der Seedlounge, in Hamburg. Neben der Besprechung über die Inhalte des von Hanse Ventures im Rahmen des Seedlounge Accelerator Programms ausgerichteten Markt- und Wettbewerbs-Workshop haben die Beiden auch ein kurzes Interview durchgeführt.

Dabei hat Sarik Weber einige markante Einschätzungen über den Status-Quo der deutschen Startup-Szene und seine Bewertung von spannenden Startup-Ideen und interessanten Gründern gegeben. Aber hört selbst:

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Interview mit Matthias Hornberger von Kizoo

Wie bewerten Sie die Möglichkeiten für die Frühphasen-Finanzierung in Deutschland?

Das kommt auf die Perspektive an. Als Investor mit Branchenerfahrung sind die Potentiale sehr attraktiv. Aus Gründersicht sind die Möglichkeiten gerade in der typischen Investitionsbandbreite von € 0,5 bis 1 Mio. immer noch limitiert, da sich Business Angels in der Größenordnung selten bewegen und klassische VCs eher siebenstellige Investments suchen. Diese Lücke füllen, neben dem sehr wichtigen HTGF, zunehmend ehemalige Unternehmer, sogenannte “Super Angels”, die innovativen Konzepten und mit kleinen, schlagkräftigen Einheiten aktiv sind. Ich denke da an Point Nine Capital, Passion Capital, HackFwd, Hanse Ventures oder auch wir Kizoo Technology Ventures. Zudem gibt es einige neue, lokal geförderte Fonds, z.B. in Hamburg und München. Für Gründer sollte es also gut möglich sein, eine Finanzierung zu erhalten – die Marktentwicklung ist eindeutig positiv.

Wo sehen Sie interessante Investionsfelder als Investor in Deutschland?

Wir bei Kizoo sind seit Anfang des Jahres besonders fokussiert auf Software-as-a-Service-Lösungen. In diesem Bereich sehen wir hervorragende Perspektiven. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland in den nächsten Jahren ein Großteil der Unternehmenssoftware nicht mehr lokal auf PCs oder Servern installiert sein wird, sondern ganz selbstverständlich als Software-as-a-Service in Anspruch genommen werden wird. Aber auch im Umfeld der mobilen und webbasierten Dienste für Endkunden sehen wir noch Potentiale, z.B. im Crowd Sourcing oder bei Collaboration Services.

In welcher Funktion sehen Sie den Investor in der Frühphase eines Startups?

Der Investor sollte als Sparringspartner agieren, für das Geschäftsmodell, die Positionierung, den Markteintritt und das Business Building. Im Idealfall ist der Investor – so zumindest ist unsere Philosophie – nicht nur reiner Geldgeber, sondern kann den Gründern auch mit entsprechendem Know-how aus eigener unternehmerischer Historie weiterhelfen. Dennoch sollten immer die Gründer diejenigen sein, die ihre Vision und ihre Geschäftsidee vorantreiben. Der Investor sollte beratend zur Seite stehen und kann natürlich – was gerade in der Frühphase eines Startups sehr wichtig sein kann – mit seinem Netzwerk entsprechend Hilfestellung geben.

Wie weit muss Ihrer Ansicht nach das Konzept des Startups ausgereift sein, um finanziert zu werden?

Für uns als VC braucht es in jedem Fall mehr als einen Businessplan. In der Regel wollen wir einen Prototypen sehen, einen klickbaren Dummy oder sonstige Mock-ups, die erkennen lassen, wie das Produkt sich “anfühlt”. Wir müssen sehen können, dass das Team in der Lage ist, ihr Geschäftsmodell soweit auch technisch umzusetzen. Natürlich muss auch das Team weitgehend komplett sein.

Welche “Zutaten” machen für Sie ein gutes Startup aus?

Die Zutaten sind bekannt: Ein gutes Team, eine gute Idee und vor allem die Leidenschaft für das eigene unternehmerische Tun. Dabei muss das Team immer bereits sein, das Konzept und sich selbst in Frage zu stellen und immer wieder neue Wege zu gehen.

Wo sehen Sie für sich als Investor das größere Potential: im disruptiven Konzept oder in der graduellen, dafür aber greifbaren Innovation?

Man muss nicht immer das Rad neu erfinden. Sicher gibt es viele Konzepte, die auf Bekanntem aufsetzen und deren Marktchancen sicher dadurch auch einfacher einschätzbar sind. Andererseits sind es natürlich gerade die disruptiven Konzepte, die spannend sind – nehmen wir das Thema Cloud Computing. Das löst jetzt die fest installierte Software nach und nach immer mehr ab. Vor Jahren hätte niemand gedacht, dass man selbst sensible Daten in der Cloud speichern wird. Sicher gibt es da aktuell auch noch Bedenken (Abhängigkeit von externen Anbietern, Schutz von vertraulichen Unternehmensdaten etc.), aber fest steht, dass es hier auch weiterhin starke Zuwächse geben wird. Disruptiv oder nicht – das Geschäftsmodell und die Marktchancen müssen uns überzeugen.

Welche Bewertungshöhe ist für die Frühphasen-Finanzierung eines Projektes akzeptabel?

Da gibt es kein festen Regeln und vor allem keine anerkannte Methode, wie DCF oder Multiples. Für uns sind zwei Dinge entscheidend: das Management Team muss eine klare Mehrheit behalten, damit der Unternehmerstatus unterstrichen wird. Wir streben substantielle Minderheitsbeteiligungen, d.h. größer 20% an. Zusammen mit der Investitionssumme ergibt sich daraus ein Korridor, den man ausloten muss. Beide Seiten müssen sich am Ende wohlfühlen.

Welche Exit-Strategien funktionieren in Deutschland?

Bis jetzt eigentlich nur M&A. Erfolgreiche IPOs gab es seit Jahren nicht und der Gang an die Börse bleibt schwer. Management Buy-Outs gibt es bis jetzt praktisch nur bei nicht erfolgreichen Projekten, auch weil die Banken hier kaum finanzieren. Künftig werden wir mehr Secondaries sehen, also Ventures oder ganze Portfolios, die von einem Investor an den nächsten veräußert werden.

Was fehlt Ihnen in der deutschen Startup-Szene?

Es ist zu einfach, auf fehlenden Mut der Investoren und fehlenden Unternehmergeist der jungen Gründer zu verweisen. An was es uns mangelt, ist auf der Investorenseite ein sinnvolles steuerliches Anreizsystem, wie es in anderen europäischen Ländern längst existiert, und etwas mehr Erfahrung bei den Business Angels. Und für die Gründer wünsche ich mir mehr unternehmerische Grundausbildung in der Schule und an den Universitäten und mehr gesellschaftliche Anerkennung des Unternehmers. Jeder Gründer verdient den Erfolg.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview.

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Die Startup-Szene braucht neue Finanzkonzepte

Als Abwechselung zu den “Kandidaten im Interview” haben wir im Folgenden noch ein Interview mit Christian Mueller, Leiter Social Media Marketing bei der Fidor Bank AG. Die Fidor Bank unterstützt die Seedlounge seit dem ersten Event in München im Januar 2011. Auch wenn anders als die meisten Kandidaten der Seedlounge aufgestellt – so ist die Fidor Bank doch unter die Kategorie “Startup” einzuordnen. Neben dem Kriterium “jung” gilt hier vor allem auch das Merkmal “andersartig”, womit das Geschäftsmodell der Fidor Bank zu kennzeichnen ist. Denn die Bank versucht einen neuen Weg im Bereich der Finanzdienstleistungen zu beschreiten. See more ›

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Was steckt hinter den hohen Startup-Finanzierungen in den USA?

Im Rahmen unserer Vorbereitungen zur kommenden Seedlounge in Hamburg haben Lutz und ich auch eine Twitter-Suche auf den Begriff “Seed Funding” angelegt. Unter diesem Begriff kommen regelmäßig Meldungen zu den Finanzierungssummen von US-Startups, die aber weit weg von hiesigen Verhältnissen sind.

Auf unserer FB-Seite haben wir dann mal die Frage gestellt – worin sich die überhaus hohen Finanzierungsbeträge bei US-Startups begründen, die via Twitter immer wieder veröffentlicht werden? und dabei die nahezu einstimmige, aber komplett nicht-repräsentative Meinung erhalten, dass die US Investoren gegenüber hiesigen Investoren das Potential des Seed-Fundings besser verstehen.

(Quelle: http://www.facebook.com/home.php?sk=question&id=180751981981722&qa_ref=ssp)

Die Gründe hierfür sind natürlich nicht pauschal mit dem “Nicht-Verständnis” zu erklären. Unser Jury-Mitglied Nicolas L. Fromm (The MediaLab / @NicolasFROMM) sieht vor allem die hohe Risikoaversität in Deutschland als Hinderungsgrund in der Frühphasenfinanzierung und damit natürlich auch in der Förderung von innovativen Geschäftsmodellen. “In den USA erhält man gerne einmal für ein reines Konzept (pre Launch) 2-3 Mio Funding, in Deutschland vielleicht gerade mal 500 TSD EUR. Das ist natürlich je nach Thema sehr unterschiedlich…..”, so die Aussage von Nicolas L. Fromm.

Ein anderes befragtes Jury-Mitglied, Sarik Weber von Hanse Ventures (@Sarik), wird da noch etwas präziser in der Begründung:

Die US-amerikanische Start-up-Branche unterscheidet sich in verschiedenen Faktoren von der Situation hier in Deutschland, die Auswirkungen auf die Höhe der Seedfinanzierung haben. Generell wird in den USA mehr investiert und auch Anschlussrunden – und nicht zu vergessen die Exits – sind dort in der Regel höher, weil die USA einen größeren und gleichzeitig besser skalierbaren Markt darstellen. Verglichen mit den USA sind europäische Investoren konservativer und agieren zudem auf einem kleineren, heterogenen Markt, der so nicht 1:1 auf die Situation in den USA übertragbar ist.

Was ist die Konsequenz bzw. der Rückschluss für den Gründer bzw. das Gründungsteam? Insbesondere da Deutschland keine ausgewachsenen Startup-/Technologie-/Innovations-Cluster wie das Silican Valley besitzt (siehe auch auch die Bedeutung der “Location” im Vortrag von Naval Ravikant ) braucht es ein gutes Netzwerk um an das richtige Seed-Kapital zu gelangen. Die Bedeutung der “Knüpfung wichtiger Kontakte” bestätigt uns auch Sarik Weber und fügt hinzu, “dass Gründer in Deutschland insbesondere die Möglichkeit haben, über die Seedfinanzierungssumme hinaus wertvolle Unterstützung zu erhalten – Stichwort ‘Smart Money’.  Hier hat sich mittlerweile ein Netz von erfahrenen Business Angels und Inkubatoren entwickelt, das Gründer nicht nur mit Geld sondern mit vielen Elementen der unternehmerischen Erstausstattung versorgen kann. Dazu gehören wichtige Kontakte, Branchenwissen und persönliche Erfahrungswerte”.

Auch wir sehen die Bedeutung der Vernetzung für die Förderung innovativer Unternehmensgründungen und versuchen mit dem Seedlounge-Projekt und seinen Events dazu beizutragen. In diesem Sinne freuen wir uns sehr auf die Veranstaltung am kommenden Mittwoch.

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So you want to raise seed capital… – Tipps von Chris Dixon

Bei der Twitter-Recherche für unsere Kandidaten-Liste sind wir gerade über einen interessanten Beitrag von Chris Dixon auf CNN Money gestolpert, in dem ein paar Tipps zum Seed-Fundraising stehen, die ich hier gerne teilen möchte:

1. Best thing is to either never need to raise money or to raise money after you have a product, users, or customers.

2. Assuming that’s not the case, it is very difficult to raise money, even when people (e.g. press) are saying it’s easy and “everyone is getting funded.”

3. Fundraising is a momentum-based process. Hardest part is getting “anchor” investors.

4. Investors like to wait (“flip another card over”) while you want to hurry.

5. Network like crazy!

6. Get smart on the industry!

6. How much to raise? Enough to hit an accretive milestone plus some buffer.

7. What terms should you look for? Here are ideal terms.

8. Types of capital: Strategic angels (industry experts), non-strategic angels (not industry experts, not tech investors), tech angels, seed funds, VCs.

9. Pitching: Be prepared!

10.  Cofounders: They are good if for no other reason than moral support. Find ones that complement you.

11. Incubators like YC and Techstars can be great. 99% of the people I know who participated in them say it was worth it.

12. To investors, the sexiest word in the English language is “oversubscribed.” Sometimes it makes tactical sense to start out raising a smaller round than you actually want end up with.

Quelle: So you want to raise seed capital… – Term Sheet.

Was haltet Ihr von den Tipps? Was gibt es da noch zu ergänzen?

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