Interview mit Matthias Hornberger von Kizoo

Wie bewerten Sie die Möglichkeiten für die Frühphasen-Finanzierung in Deutschland?

Das kommt auf die Perspektive an. Als Investor mit Branchenerfahrung sind die Potentiale sehr attraktiv. Aus Gründersicht sind die Möglichkeiten gerade in der typischen Investitionsbandbreite von € 0,5 bis 1 Mio. immer noch limitiert, da sich Business Angels in der Größenordnung selten bewegen und klassische VCs eher siebenstellige Investments suchen. Diese Lücke füllen, neben dem sehr wichtigen HTGF, zunehmend ehemalige Unternehmer, sogenannte “Super Angels”, die innovativen Konzepten und mit kleinen, schlagkräftigen Einheiten aktiv sind. Ich denke da an Point Nine Capital, Passion Capital, HackFwd, Hanse Ventures oder auch wir Kizoo Technology Ventures. Zudem gibt es einige neue, lokal geförderte Fonds, z.B. in Hamburg und München. Für Gründer sollte es also gut möglich sein, eine Finanzierung zu erhalten – die Marktentwicklung ist eindeutig positiv.

Wo sehen Sie interessante Investionsfelder als Investor in Deutschland?

Wir bei Kizoo sind seit Anfang des Jahres besonders fokussiert auf Software-as-a-Service-Lösungen. In diesem Bereich sehen wir hervorragende Perspektiven. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland in den nächsten Jahren ein Großteil der Unternehmenssoftware nicht mehr lokal auf PCs oder Servern installiert sein wird, sondern ganz selbstverständlich als Software-as-a-Service in Anspruch genommen werden wird. Aber auch im Umfeld der mobilen und webbasierten Dienste für Endkunden sehen wir noch Potentiale, z.B. im Crowd Sourcing oder bei Collaboration Services.

In welcher Funktion sehen Sie den Investor in der Frühphase eines Startups?

Der Investor sollte als Sparringspartner agieren, für das Geschäftsmodell, die Positionierung, den Markteintritt und das Business Building. Im Idealfall ist der Investor – so zumindest ist unsere Philosophie – nicht nur reiner Geldgeber, sondern kann den Gründern auch mit entsprechendem Know-how aus eigener unternehmerischer Historie weiterhelfen. Dennoch sollten immer die Gründer diejenigen sein, die ihre Vision und ihre Geschäftsidee vorantreiben. Der Investor sollte beratend zur Seite stehen und kann natürlich – was gerade in der Frühphase eines Startups sehr wichtig sein kann – mit seinem Netzwerk entsprechend Hilfestellung geben.

Wie weit muss Ihrer Ansicht nach das Konzept des Startups ausgereift sein, um finanziert zu werden?

Für uns als VC braucht es in jedem Fall mehr als einen Businessplan. In der Regel wollen wir einen Prototypen sehen, einen klickbaren Dummy oder sonstige Mock-ups, die erkennen lassen, wie das Produkt sich “anfühlt”. Wir müssen sehen können, dass das Team in der Lage ist, ihr Geschäftsmodell soweit auch technisch umzusetzen. Natürlich muss auch das Team weitgehend komplett sein.

Welche “Zutaten” machen für Sie ein gutes Startup aus?

Die Zutaten sind bekannt: Ein gutes Team, eine gute Idee und vor allem die Leidenschaft für das eigene unternehmerische Tun. Dabei muss das Team immer bereits sein, das Konzept und sich selbst in Frage zu stellen und immer wieder neue Wege zu gehen.

Wo sehen Sie für sich als Investor das größere Potential: im disruptiven Konzept oder in der graduellen, dafür aber greifbaren Innovation?

Man muss nicht immer das Rad neu erfinden. Sicher gibt es viele Konzepte, die auf Bekanntem aufsetzen und deren Marktchancen sicher dadurch auch einfacher einschätzbar sind. Andererseits sind es natürlich gerade die disruptiven Konzepte, die spannend sind – nehmen wir das Thema Cloud Computing. Das löst jetzt die fest installierte Software nach und nach immer mehr ab. Vor Jahren hätte niemand gedacht, dass man selbst sensible Daten in der Cloud speichern wird. Sicher gibt es da aktuell auch noch Bedenken (Abhängigkeit von externen Anbietern, Schutz von vertraulichen Unternehmensdaten etc.), aber fest steht, dass es hier auch weiterhin starke Zuwächse geben wird. Disruptiv oder nicht – das Geschäftsmodell und die Marktchancen müssen uns überzeugen.

Welche Bewertungshöhe ist für die Frühphasen-Finanzierung eines Projektes akzeptabel?

Da gibt es kein festen Regeln und vor allem keine anerkannte Methode, wie DCF oder Multiples. Für uns sind zwei Dinge entscheidend: das Management Team muss eine klare Mehrheit behalten, damit der Unternehmerstatus unterstrichen wird. Wir streben substantielle Minderheitsbeteiligungen, d.h. größer 20% an. Zusammen mit der Investitionssumme ergibt sich daraus ein Korridor, den man ausloten muss. Beide Seiten müssen sich am Ende wohlfühlen.

Welche Exit-Strategien funktionieren in Deutschland?

Bis jetzt eigentlich nur M&A. Erfolgreiche IPOs gab es seit Jahren nicht und der Gang an die Börse bleibt schwer. Management Buy-Outs gibt es bis jetzt praktisch nur bei nicht erfolgreichen Projekten, auch weil die Banken hier kaum finanzieren. Künftig werden wir mehr Secondaries sehen, also Ventures oder ganze Portfolios, die von einem Investor an den nächsten veräußert werden.

Was fehlt Ihnen in der deutschen Startup-Szene?

Es ist zu einfach, auf fehlenden Mut der Investoren und fehlenden Unternehmergeist der jungen Gründer zu verweisen. An was es uns mangelt, ist auf der Investorenseite ein sinnvolles steuerliches Anreizsystem, wie es in anderen europäischen Ländern längst existiert, und etwas mehr Erfahrung bei den Business Angels. Und für die Gründer wünsche ich mir mehr unternehmerische Grundausbildung in der Schule und an den Universitäten und mehr gesellschaftliche Anerkennung des Unternehmers. Jeder Gründer verdient den Erfolg.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview.

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