Die Seedlounge versteht sich ja als Förderer für mehr bzw. bessere Frühphasen-Finanzierung. In der Diskussion um die Höhe der Seedfinanzierung haben wir ein wichtiges Kriterium für den Finanzierungserfolg vernachlässigt: die Darstellung und die Fundierung der Geschäftsidee. Sicherlich gibt es zu diesem Thema 1000 und 1 Ratschläge, denn ist mir hierzu heute morgen ein interessanter Beitrag von Marcus Tarrant untergekommen, auf den ich hier gerne verweisen und den ich gerne als Vorbereitung für unsere Kandidaten zur Diskussion stellen möchte:
Im Beitrag “Why do most Business Plans Fail to Raise Capital?” adressiert er drei Kernpunkte, denen in schlechten Business Plänen zuwenig Bedeutung zugemessen wird:
- Klare Herausarbeitung und Darstellung des Geschäftspotentials hinter der Produkt-/Service-Idee
Ich weiß selbst aus einem gescheiterten Finanzierungsversuch in der Dotcom-Zeit, wie schnell man als Gründer nur das Produkt und die Lösung vor Augen hat. Die Argumentation gegenüber dem Investor lautet dann, investieren sie in mich/uns, weil unser Produkt/Service das xyz-Problem verbessert oder gar löst. Dieser Punkt ist sicherlich ein wichtiger Ausgangspunkt für ein interessantes Geschäftskonzept, aber nicht notwendigerweise der Garant für den Investitionserfolg aus Sicht des Investors. Wichtiger für ihn (sprich den Investor) ist das Geschäftspotential im Sinne des Wertezuwachses der Unternehmen durch einen schnellen Aufbau einer Nutzerbasis (siehe Twitter und Facebook), durch immense kurzfristig erzielbare Erlösströme (siehe Groupon) oder eine Technologie bzw. Service, der bestehende und bewertbare Wertschöpfungsprozesse in Frage stellt und substituieren kann (siehe Skype). Ein spannendes Tools um die Potentiale eines Geschäftsmodells besser herauszuarbeiten und im Kontext des dynamischen Marktumfeldes ständig “vor Augen zu haben”, ist dabei sicherlich der methodische Ansatz mit dem Business Model Canvas von Alexander Osterwalder. Und um auf Marcus Tarrant hier zurückzukommen: “It is critical that the business model is clearly articulated in terms that the investor can clearly understand.” - Herausarbeitung einer guten bzw. Überdenken einer schlechten Stellung in der Wertschöpfungskette
In dem zweiten Punkt geht es um die vielfach zu wenig betrachtete Analyse der Position der angedachten Produkt- oder Servicelösung in der jeweiligen Wertschöpfungskette. Gute Geschäftsmodelle kennzeichnen sich durch eine gute Position in dieser Kette – als idealtypisches Modell sieht der Management-Guru Chesbrough ein Konzept, welches auf “open collaborative service innovation” (zwei Zusammenfassungen zu seinem letzten Buch finden sich hier und hier) fußt. Also die zukünftige Wertsteigerung des Geschäftskonzeptes ist nicht durch eigene Mehr-Investitionen in die Ideenfindung und -generierung zu erzielen, sondern durch die Kunden und Nutzer. Oder gar wird das Geschäftsmodell durch die Kunden und Nutzer in der Zukunft vorangetrieben und entwickelt und das Startup bietet dafür nur die Plattform. - Herausarbeitung der Investitionsgelegenheit für die Investoren
In “gute” Geschäftskonzepte wird sofort (bzw. nach kurzfristiger Prüfung) investiert – warum? Weil sie nach Marcus Tarrant ein “Window of Opportunity” (eine Gelegenheit für die erfolgreiche Umsetzung) darstellen. Und diese Gelegenheit ist in der Regel nicht in der Breite, sondern immer in der Nische zu suchen. Dort können Nutzerversprechen “übererfüllt” werden und damit schnell einmalige Nutzererlebnisse erzielt werden, die zu einer viralen Weiterverbreitung führen. Die Nischenmarktplätze und Mass-Customization-Ansätze der Seedlounge Kandidaten setzen genau in dieser Lücke an und konnten sich deshalb auch mit ihrer Fan-Basis gegenüber andere besser durchsetzen.
Als Fazit und Empfehlung für unsere Kandidaten ist festzuhalten, dass der formulierte Business Plan bzw. auch die Präsentation bei der Seedlounge auch noch einmal aus dem Blickwinkel der Eignung für das Investorengespräch betrachtet werden muss. Die innovative Geschäftsidee und seine formal korrekte Darstellung ist nur hinreichend für den Erfolg, notwendig ist auch, dass es emotional begeistert und für die Investoren vor den oben angeführten Punkten interessant erscheint.





Ich finde, ein wesentlicher Aspekt ist auch, dass man die ART des Investors versteht. Für strategische Investoren sind andere Punkte wichtig als für Finanzinvestoren. Dort kann die Argumentation auch im Sinn der Portfolio-Entwicklung, -Verbesserung oder -Erweiterung geführt werden. Gestern hatte ich ein längeres Geespräch mit so einem Investor. Der Exit war kein Thema.